Caritasverband Rheine, 28.03.2012

Das war so ein Moment, in dem mir das Herz aufging

Sarah Neier und Karolina Ptok arbeiten als FSJler und BFDler im Jacob-Meyersohn-Wohnverbund

Rheine. cpr. „Jeden Morgen, wenn ich zum Dienst komme, nimmt mich Marie in den Arm und lächelt mich an“, erzählt Karolina Ptok. „Für mich heißt das, dass wir eine Beziehung aufgebaut haben und dass Marie mir mit Vertrauen begegnet.“ Auch Sarah Neier erzählt von ihrer Begegnung mit Karl. „Er wollte zuerst nicht mit mir Spazieren gehen, sondern hielt sich an seine Betreuer. Doch eines Tages bestand er darauf, von mir an die Hand genommen zu werden. Ich glaube, er wäre sonst keinen Schritt weiter gegangen. Das war so ein Moment, in dem mir das Herz aufging.“ Sarah Neier absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Jacob-Meyersohn-Wohnverbund der Caritas Rheine. Karolina Ptok ist dort im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) tätig. Beide Frauen arbeiten freiwillig für ein Jahr in der Begleitung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung.

Nach dem Abitur wollte Sarah Neier studieren, aber in welche Richtung es gehen sollte, das hatte sie damals noch nicht klar. Das FSJ erschien ihr als gute Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren. „Außerdem wollte ich nach der langen Schulzeit mal was Praktisches machen. In der Schule hatten wir zwar ein zweiwöchiges Praktikum, aber das hat mir nicht gereicht.“ Karolina hatte im Radio von der Möglichkeit des Bundesfreiwilligendienstes erfahren. „Nach der Hospitation im Kinder- und Jugendwohnhaus der Caritas Rheine war mir sofort klar, dass ich das machen will. Das ist genau mein Ding.“ „Am Anfang hatte ich schon Berührungsängste. Ich kannte eigentlich gar keine Menschen mit Behinderung. Das hat sich allerdings schnell gelegt. Viele hier sind so offen auf mich zugegangen, dass meine Unsicherheit bald verflog“, erzählt Karolina. Auch für Sarah war der Kon-takt zu Menschen mit Behinderung eine neue Erfahrung. Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung empfindet sie heute viel selbstverständlicher. „Die Menschen hier sind nicht anders als man selbst. Es geht ja nicht um das, was uns trennt, sondern vielmehr um Gemeinsames, um Beziehung und um Austausch, in welcher Form auch immer.“

Interessierte für das Freiwillige Soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst erhalten die Möglichkeit, sich beruflich und persönlich zu orientieren. Um dieses Ziel zu erreichen, nehmen auch die Freiwilligen des Wohnverbundes an den Bildungsseminaren ihrer Träger teil. In den Einrichtungen erhalten sie außerdem eine individuelle Anleitung. Das eigene Handeln zur reflektieren, sich mit den eigenen Fähigkeiten auszuprobieren und Selbstvertrauen zu gewinnen sind Inhalte der Anleitung. „Meine Anleiterin hat mir zurückgemeldet, dass ich viel offener und selbstsicherer geworden bin“, berichtet Sarah. „Und das gibt mir jetzt auch mehr Sicherheit im Umgang mit anderen Situationen und Menschen.“ Ebenso stolz blickt Karolina auf ihr bisheriges Tun zurück. „Da kommen immer wieder kleine Herausforderungen auf mich zu. Aber wenn ich das dann geschafft habe und der Konflikt mit dem Kind ist ausgestanden oder es hat sich vom mir trösten lassen, dann freue ich mich schon.“ Die Freiwilligen haben im Wohnverbund vielfältige Aufgaben. Sie arbeiten in der Pflege, helfen in der täglichen Versorgung mit und gestalten die Freizeit zusammen mit den Bewohnern und Bewohnerinnen. Die Begleitung einer Ferienfreizeit nach Esens war für Karolina Ptok ein besonderes Ereignis. „Da habe ich die Kinder viel intensiver kennengelernt und unheimlich schöne Erfahrungen gesammelt.“

FSJler und BFDler erhalten Taschengeld sowie Verpflegungsgeld. Sie sind sozialversichert, haben einen Urlaubsanspruch und nehmen an internen und externen Bildungstagen teil. Das Jahr kann auf Wartezeiten für ein Studium angerechnet werden und ein Zeugnis hilft bei späteren Bewerbungen. Auch wer über 27 Jahre ist, kann noch ein BFD machen und die Leistungen mit der Einsatz-stelle individuell vereinbaren. Für Karolina wird das Jahr enden mit einer Bewerbung als Erzieherin. Ihre Tätigkeit im Kinder- und Jugendwohnhaus hat sie hierin bestätigt. Und auch Sarah Neier weiß jetzt, wie es für sie weiter geht. „Soziale Arbeit studieren“, sagt sie und strahlt. „Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich beruflich was mit Menschen machen möchte. Jetzt weiß ich, dass ich das kann und freue mich schon drauf.“

Interessierte an einem Freiwilligendienst im Jacob-Meyersohn-Wohnverbund können sich gerne bei Ute Schroot unter der Telefonnummer 05971/9144676 melden. Weitere Möglichkeiten für den Freiwilligendienst bei der Caritas Rheine erfahren Interessierte in der Personalabteilung des Caritasverbandes Rheine unter der Telefonnummer 05971/862-355.

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